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März 2012 Monthly archive

Ausstellung im September 2008 in LINZ. Adresse: Wimhölzelstr. 23, 4020 Linz, Tel. 0664 1329899 office@mediensalon.at), Eröffnung am Freitag 12. September 19:00.

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Ein kompletter Überblick über alle Arbeiten von Nina Levett. Anbei der begleitende Text zur Ausstellung von Christian Schrenk, www.mediensalon.at

Die Arbeiten von Nina Levett sind dekorativ. Auf den ersten Blick. Die Arbeiten von Nina Levett sind aufregend. Auf den zweiten Blick. Die Arbeiten von Nina Levett sind voller Spannung, wenn man sich unter die Oberfläche wagt.

Oberflächen haben etwas Verführerisches an sich. Nur all zu gern bleibt man an ihnen hängen, begnügt sich mit ihrer ästhetischen Komponente und sie lassen die Betrachter in der trügerischen Sicherheit und Wohligkeit einer heilen Welt. Das dekorative Element genügt, die Erfüllung der Ansprüche ist gewährleistet, man kann sich beruhigt der Diskussion um Style und Prestige hingeben.

Das ist die eine Komponente der Arbeiten von Nina Levett. Angesiedelt in der problemlosen Welt schöner Dinge und edler Ausstattung sprechen die modularen Wallpapers die Sprache der Designmagazine, der Haute Couture und der High-End interiors. Der zweite Blick eröffnet in der Betrachtung der Sujets einen Spalt weit die Welt unter der Oberfläche.

Als die Pornokönigin Annie Sprinkle Mitte der 1990er Jahre in ihren Performances ihr Innerstes, nämlich ihre Cervix, einem weltweiten Publikum vorstellte, waren rosa Punkte eine Ikone bedingungsloser Weiblichkeit im Spannungsfeld zwischen Selbstbestimmtheit, Exploitation und Fruchtbarkeit. Den Phasen von riesenbrüstigen Frauengestalten und rosa Punkten folgen bei Nina Levett neben organisch rankenden floralen Designs Ströme von Spermien, die in hübscher Wohlgeordnetheit über die modularen Wandpaneele schwirren und ein harmloses Bild ordentlicher Spaziergänger in einer noblen Shoppingmall vorgeben. Synchronschwimmerinnen gleich wuseln sie daher und tun so, als wären sie gestische Komponenten eines codierten grafischen Ausdrucks. Beistriche mit Schwänzchen, aus denen sich eben dekorative Muster zusammensetzen.

Einen weiteren Lichtstrahl in diese seltsame, oberflächlicher Weise nur oberflächlich betrachtete Geschichte bringt ihr jüngster Werkzyklus „housewife camouflage“  mit leichter Modezeichnerinnenhand die lästige alltägliche Gegenwart einer beliebten weiblichen Rollenzuschreibung zum Verschwinden bringt. Durch Design verschmilzt die Frau mit ihrer scheinbar „natürlichen“ Umwelt, um erst wieder entweder als Hure oder als Gebärerin in Erscheinung zu treten.

Nina Levett spielt diesen Diskurs dabei höchst dialektisch. Als Frau bedient sie mit ihren Arbeiten durchaus eine Männerwelt und ihr Frau-Sein spielt dabei auch in der Selbstinszenierung eine wichtige Rolle. Ihr einen feministischen Ansatz im klassischen Sinn zu unterstellen, ist zu weit gegriffen. Ihr aber eine Auseinandersetzung mit tradierten Rollenbildern zuzuschreiben scheint unter den erwähnten Gesichtspunkten legitim.

Was ein Betrachter in ihren Arbeiten mitverfolgen kann, ist eine Echtzeit-Dokumentation eines Zerbrechens an Rollen- und Geschlechterbildern und an Erwartungshaltungen ihr selbst und ihren Geschlechtsgenossinnen gegenüber. Ein Zerbrechen und ein Kampf dagegen. Mit den Mitteln der Unterwanderung, der Vereinnahmung, der Spekulation und der Täuschung, also mit den ureigensten Mitteln der Kunst. Möglicherweise ein virtuoses Spiel mit Ambivalenzen, möglicher Weise auch ein dramatisches Getrieben sein, ein Dasein als Spielballs der Gewalten. Ob diese nun „Schmerz“ heißen oder „Rollenerwartung“, „Sehnsucht“ oder „Liebe“ lässt sich bei einer komplexen Persönlichkeit, wie Nina Levett eine ist, schwer einschätzen.

Noch eine wesentliche Eigenschaft haben Oberflächen: sie schützen. Mit Bootslack sind einzelne Chargen ihrer rosa Punkte-Wallpapers und ihrer floralen Designs überzogen. Heute, nach Jahren, zeigt sich der Schutz verwittert und angegilbt. Nicht nutzlos. Er schützt noch immer. Aber er macht das Wesen ihrer Arbeit sichtbar. Unter der Oberfläche!

Christian Schrenk, Mediensalon, Linz, Juli 2008

 

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