Wie ich meine Muster und Ornamente entwickle: Teil 1 – Inspiration
Gestern habe ich einen Film über Woody Allen gesehen. Es war eine Dokumentation. Es war interessant. Er hat gezeigt, wie sein Arbeitsverlauf und Tagesablauf stattfinden. Er schreibt all seine Drehbücher auf der Schreibmaschine, die er um 40 USD gekauft hatte, als er 16 Jahre alt war. Auf die maschinengeschriebenen Seiten macht er dann Änderungen, indem er andere Seiten mit Schere und Klammermaschine einfügt, wobei auch handschriftliche Notizen eine große Rolle spielen. Sein Arbeitsprozess scheint auch viel mit HANDARBEIT zu tun zu haben. Es ist viel Haptik in diesem Arbeitsprozess erkennbar. Weiters hat er “Vornotizen”, die er irgendwann und irgendwo schreibt (auf Servietten, auf Restaurantrechnungen, etc.). Diese Vorideen bewahrt er in einer Schublade neben seinem Bett auf und behält sie für Momente in denen er Inspiration braucht.
Es sind mir viele Parallelen aufgefallen zu meiner Arbeitsweise. Zum Beispiel probiert Woody Allen bei seinen Filmen verschiedene Genres aus: Komik, Beziehungsdrama, etc. Er sagt selbst, dass er nicht weiß, welche Art von Film als nächstes “kommt”. Da in seinen Filmen auch viele autobiografische Elemente vorhanden sind, ergibt sich bei ihm der Film eigentlich immer wie von selbst, wobei er auch die Nichtsteuerbarkeit auf dem Weg vom Drehbuch zum fertigen Film betont. Bei meiner Arbeit ist dies ähnlich.
Die Art wie ich meine Ornamente entwickle ist so, dass ich jeden Tag in der Früh aufstehe und einen leeren Kopf brauche, so wie ein unbeschriebenes Blatt. Alles soll so gut wie möglich ordentlich und klar sein. Es ist auch viel durch ein Ritual gesteuert, d.h. ich kann bestimmte Tätigkeiten nur zu bestimmten Tageszeiten machen und auch die Abläufe müssen “sich ergeben”. Ich springe von Tätigkeit zu Tätigkeit. Gestern zum Beispiel hatte ich eine grobe Idee, was ich an dem Tag machen wollte, und habe dann mit der Arbeit begonnen, zu der ich als erstes den größten Drang hatte. Aber, wenn Ermüdung auftritt, dann wechsele ich zur nächsten Aufgabe – ohne die Erste fertig zu stellen und arbeite den ganzen Tag so kreuz und quer an zirka 4-5 verschiedenen Aufgaben.
Gestern waren die Aufgaben besiepielsweise Drucken eines Kissens, Näharbeiten für Tischsets, Ausbesserungsarbeiten für schon genähte Servietten und Kissenbezüge, sowie ein Entwurf für ein weiteres Kissen und dann auch zwei Siebe für eine geometrisches Kissenmuster herzustellen und probezudrucken. Verschiedene andere Aufgaben, die ich mir vorgenommen hatte (wie etwa für den Blog schreiben, Macarons herstellen,…), konnte ich nicht erledigen.
Ich stehe sehr früh auf. Gegen 4:00 Früh und 6:00 Früh beginne ich zu arbeiten. Das ist die Zeit wo noch niemand wach ist und ich noch alleine bin. Es scheint bei mir sehr wichtig zu sein, dass ich mir nichts vornehme, und dass ich die Sachen “wie von selbst” entstehen lasse. Zum Beispiel beginne ich in der Früh oft einfach indem ich mir etwas zum Essen mache, und während ich das dann mache, schreibe ich mir auf, was ich an dem Tag erledigen will und dann passiert das Arbeiten einfach. Es fängt von selbst an, und ist dann ganz klar.
Heute ist es zum Beispiel so, dass ich ein großes Bett für mich privat bestellt habe (B&B Italia, Tufty Time von Patricia Urquiola). Ich habe vor, den Stoff für dieses Bett selbst zu bedrucken. Die 9 Meter Stoff, die ich dafür bestellt habe, liegen schon bereit, da sie letzte Woche geliefert wurden. Ich sollte nun die Siebe dafür entwickeln. Ich muss mir überlegen, was ich auf das Bett drucken möchte. Das wird aber erst enstehen, das heißt ich kann mit dem Projekt noch nicht beginnen. Das dauert bei mir einige Tage – wenn nicht Wochen – an denen ich mir dieses Projekt im Hinterkopf vornehme, aber an anderen Dingen arbeite. Ich starte mit diesem Projekt erst, wenn es ganz klar ist, und der klare Handlungsimpuls dafür da ist.
Währenddessen haben wir (meine beiden Praktikantinnen – die nur im Juli da sind – und ich) schon letzte Woche begonnen erste Produkte für meinen neuen Etsy Shop zu entwickeln. Ich sehe diese Tätigkeiten als eine Art Vorarbeit für das Bett, die auch viel leichter von der Hand gehen, da es nur ganz kleine Projekte sind. Der Druck, das Bett zu machen, ist viel größer und auch ist die Aufgabe ein Bett zu machen viel schwieriger als kleine Kissen und Tischsets, die einen viel geringeren Wert haben.
Es kann sein, dass die Inspiration nicht kommt, weil ich auch gar nicht genügende Siebe da habe, um diesmal effizienter an die Sache ranzugehen als bei meinem letzten großen Projekt (ein Sofa von B&B Italia, Tufty Time von Patricia Urquiola für mich privat). Ich habe innerlich beschlossen diesmal einen optimaleren Rapport zu wählen, der sich an der Stoffbreite von 140 cm orientiert. Daher habe ich gestern das Material für diese Siebe gekauft. heute fange ich mit dem Bespannen an.
Jetzt bin ich auf die Frage, wie ich TECHNISCH meine Muster und Ornamente herstelle, noch nicht eingegangen. Aber ich werde zu diesem Thema einfach eine Serie an Blogeinträgen schreiben. Das ist einmal der Beginn, der von der Inspiration handelt.
Auf jeden Fall, ähnlich wie bei Woody Allen ist es auch bei mir so, dass immer ein bestimmtes Thema sich von selber ergeben muss. Es gibt bei den TED Talks zwei interessante Reden, die ich euch empfehlen, kann, die auch von der Inspiration handeln. Eine ist von Amy Tan und eine von Elizabeth Gilbert.
Bei mir ist es so, dass ich die Projekte erst mache, wenn sie stark in mir gereift sind. Die kleinen Ideen (Vorideen) lasse ich wachsen und keimen, und schreibe sie gegebenenfalls auf oder beginne mit den Vorarbeiten. Wann es zu einer fertigen umsetzbaren Idee kommt, kann ich nicht sagen.
Oben ist ein Foto von meinem letzten großen Projekt, dem Sofa.
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Nina Levett creates edgy and provocative tableware and textiles. This blog is about her design process and graphics, ornaments, patterns and inspirations.




