Seit August arbeitet die Praktikantin Sayeeda Bacchus in meinem Atelier. Wir haben uns in dieser Zeit auf Textildruck konzentriert. Anbei ein paar Work-In-Progress Bilder von Kissen, die Sayeeda entworfen hat, und die ich nähen werde.

Ich werde bald mehr Fotos von den fertigen Textildesigns posten, die ich mit Sayeeda entwickelt habe.

In meiner Schwangerschaft konnte ich nicht so viel bis gar nicht arbeiten. Drei Wochen lang musste ich überhaupt im Bett bleiben und auch die restliche Zeit war komplett anders als mein “normales Leben”: ich dachte viel mehr ans Kochen und an häusliche Themen wie Einrichtung und Kindererziehung.
Ich verbrachte diese Zeit oft im Bett und nutzte sie um Recherchearbeit zu machen. So stieß ich auf eine ganze Reihe an Blogs, die sich mit den oben genannten typisch weiblichen Themen befassen, die indirekt Thema meiner Kunst sind.
Die Bloggerinnen (es sind größtenteils Frauen, die solche Blogs schreiben) scheinen durchwegs intelligente, gebildete Menschen zu sein, wie aus diesem Artikel hervorgeht. Jedenfalls beeindruckte mich vor allem der Blog von Holly Becker, sodass ich beschloss an einem ihrer eCourses teilzunehmen. Seither hat sich mir eine neue Perspektive für das Schreiben auf meiner Webseite eröffnet. Ich werde versuchen persönlicher und auch häufiger zu schreiben.
Es gibt einige Punkte, die gegen das Bloggen sprechen: die starke Konzentration auf eine “virtuelle Welt”, der durch den enormen Zeitaufwand resultierende Mangel an realer, sinnlicher Erfahrung, weiters sprechen auch aus feministischer Sicht viele Punkte gegen die von Bloggern erschaffenen “Happiness-Abziehbild-Weltentwürfe”, die nicht die Realität wiederspiegeln sondern nur Schein (dazu ist folgender Artikel empfehlenswert).
Nun da ich meine Bedenken geäußert habe und trotzdem von dem bunten Lichter(pixel)treiben des Webs angezogen bin (auch diese Kontraste sind Teil meiner Kunst), hier eine kleine Auswahl an lesenswerten Blogs zum Thema Design und Innenraumgestaltung:
1. Decor8 von Holly Becker.
Holly betreibt diesen Blog seit etwa 6 Jahren und hat eine Leserschaft von etwa einer halben Million Menschen monatlich. Ihr Geschmack ist pastellig und bunt mit Blumenmustern und geometrischen Mustern, mit Flohmarktchic und allen anderen Trends, die man im Web so findet. Sie schreibt erfolgreiche Bücher über Raumgestaltung und unterrichtet mit Schwerpunkt Bloggen.
2. Plenty of Colour von Chloe Douglas aus Vancouver. Wie der Name sagt geht es um Farbe und deren vielfältige Anwendung im Designbereich.
3. SFGirlbybay von Victoria Smith aus LA ist ein Blog über schöne Dinge im Allgemeinen.
4. Door Sixteen von Ana Goodman aus NYC. Sie schreibt sehr persönlich über ihre Arbeit als Designerin von Buchcovers und über ihre Einrichtung eines Apartments und eines alten Hauses, das ihr gehört. Dabei erwähnt sie noch allerhand Anderes aus ihrem Leben (Filme, Musik, Rezepte, Politik, Zeitgeschehen, etc).
5. Oh Joy! ist der Blog von Joy Deandeelert Cho aus LA. Wiederum
geht es um schöne (meist bunte) Dinge. Joy ist selbst Designerin.
6. The Selby
Fotos von Todd Selby, der die Idee hatte, die Orte zu fotografieren in denen Kreative arbeiten und wohnen. Dies ist ein sehr erfolgreicher Blog, der in Berlin vom Blog FreundeVonFreunden sein Pendant findet.
7. Abigail Ahern interessanter Blog, weil er weniger bild und mehr wortlastig ist.
8. A beautiful Mess von Elsie und Emma Larson, zwei Schwestern. Besonders gefallen mir die Anleitungen zum Thema Fotografie.
9. Emmas design blogg von Emma Fexeus aus Stockholm, Innenraumstylistin. Fotolastiger Blog mit kühlen, minimalistischen Innenräumen.
10. Famille Summerbelle
Weitere. Miss Moss, the jealous curator, a creative mint, Beast Pieces, Poppytalk, Dezeen, Yatzer, Justin McGuirk, Strange Harvest, paperforest, Olivelse, Obsessilicious, Oh So Beautiful Paper, sowie ein Link zu weiteren interessanten Blogs.
Anbei mein Sohn, der vor 2 Monaten zur Welt kam.

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Heute wollte ich euch über jemanden berichten, der mich inspiriert: die Illustratorin, Künstlerin und Modedesignerin Julie Verhoeven. Julie lebt in London und hat viele Jahre für die Modebranche gearbeitet. Aber gleichzeitig ist sie auch Künstlerin und Illustratorin.
Sie wurde in Kent, England 1969 geboren. Ihr Vater war Grafiker und ihre Mutter Illustratorin. Sie sagt, die Tatsache, dass sie in ihrer Kindheit ein kreatives Umfeld hatte, sei der Haupteinfluss für ihre außergewöhnliche Kreativität.
Julie hat die Schule mit 16 abgebrochen und begann ihre künstlerische Laufbahn in einem Art und Design College. Sie hat sich immer gerne verkleidet.

Am College hat sie sich mit Illustration aber auch mit Schnittzeichnen und Nähen beschäftigt. Nach Abschluss ihrer Ausbildung wollte sie am Saint Martin‘s College weiter studieren, hat sich dort beworben, aber wurde nicht aufgenommen (heute unterrichtet sie dort).

Sie wurde 4 Jahre lang die erste Assistentin von John Galliano. Für ihn hat sie Print Design und Illustration gemacht. Sie hat nach eigenen Angaben dort sehr viel gelernt. Danach wollte sie sich auf Illustration konzentrieren. Aber die Auftragslage war sehr schwierig, weil ihre Arbeit sehr modelastig und neuartig war. Sie begann zu unterrichten. Da sie jedoch in der Illustration nicht so sehr Fuß fassen konnte, begann sie eine Modekarriere und zog nach Paris. Sie hat in Paris für Martine Sitbon gearbeitet. Sie war dort für Textildrucke, Illustration bis hin zu Kollektionsdesign und auch Accessoires verantwortlich.
1995 ist sie zurück nach London gegangen und war dort freiberuflich weiter für Martine Sitbon tätig. Sie hat durch ihre Kontakte auch diverse freiberufliche Aufträge im Bereich Illustration und Kreativmanagement bekommen. Ab dieser Zeit hat sie (bis heute) wieder unterrichtet.
Oben sind einige ihrer Arbeiten abgebildet. Julie hat sich auch im Kunstbereich bewegt und auch Ausstellungen in Galerien gemacht. Die freien Arbeiten zeichnen sich durch sexuelle Darstellungen aus, wobei der weibliche Körper in verschiedenen freizügigen sexuellen Gebarungen gezeigt wird, oft auch in Verbindung mit dem männlichen Glied.
Aufträge für Louis Vuitton und Magazine wie Dazed und Confused oder Vogue, sowie Mulberry, Lacoste, Top Shop, etc. folgen aufeinander. Auch ein Lehrauftrag am berühmten Saint Martin‘s College.
Das was mich an Julie Verhoeven so fasziniert, ist die Art wie ihr Strich in der Zeichentechnik fließt. Man erkennt ihr großes Selbstbewusstsein beim Zeichnen. Sie verbindet Elemente aus dem Textilbereich, so wie Blumen und andere typischerweise für Stoffe verwendete Muster in ihren Illustrationen zu einer eigenständigen Welt. In dieser Welt ist das Verhoeven-Girl geschaffen worden.
Durch diese Frauen haben die Illustrationen einen narrativen Charakter bzw. einen erzählerischen Aspekt. Der Wert der Arbeiten liegt auch durch ihre eindringliche Schönheit. Sie sind ästhetisch sehr ansprechend. Die Striche sind durchwegs in Tusche und mit schwarzer Wassermaltechnik und verschwommenen Teilen und Bleistiftelementen, durchzogen mit Collage-Elementen und Buntstiftzeichnungen. Das Ganze wird mit Farbflecken (Pop-Farben) perfekt abgestimmt, und zusammen ergibt sich ein farbiger und froher Effekt. Starke, bunte Farben werden großartig kombiniert.
Dabei ist ein trashiger, punkiger Einschlag durch das Beibehalten des Skizzenhaften auffallend. Die Arbeiten bleiben immer entwurfsartig und werden nicht fein ausgearbeitet, wie es von den Magazinen sonst verlangt wird, sondern die Illustrationen wirken wie hingeworfene Entwürfe. Das hat eine Leichtigkeit durch das Belassen des Handschriftlichen und Handwerklichen.

Als ihr Vorbild nennt Julie Verhoeven Bernard Wilhelm.

Credits: The Informationen in diesem Artikel und die Bilder wurden von folgenden Quellen entnommen:
a. Gas Book 13 JULIE VERHOEVEN 2004, Verlag Shinjiro Nishino, 64 Seiten, ISBN 4-86083-364-3
b. IdN International Designers Network Magazine, Volume 14 Nummer 3 2007 Drei, Fashion Graphics Issue, http://www.idnworld.com

 

Gestern habe ich einen Film über Woody Allen gesehen. Es war eine Dokumentation. Es war interessant. Er hat gezeigt, wie sein Arbeitsverlauf und Tagesablauf stattfinden. Er schreibt all seine Drehbücher auf der Schreibmaschine, die er um 40 USD gekauft hatte, als er 16 Jahre alt war. Auf die maschinengeschriebenen Seiten macht er dann Änderungen, indem er andere Seiten mit Schere und Klammermaschine einfügt, wobei auch handschriftliche Notizen eine große Rolle spielen. Sein Arbeitsprozess scheint auch viel mit HANDARBEIT zu tun zu haben. Es ist viel Haptik in diesem Arbeitsprozess erkennbar. Weiters hat er “Vornotizen”, die er irgendwann und irgendwo schreibt (auf Servietten, auf Restaurantrechnungen, etc.). Diese Vorideen bewahrt er in einer Schublade neben seinem Bett auf und behält sie für Momente in denen er Inspiration braucht.

Es sind mir viele Parallelen aufgefallen zu meiner Arbeitsweise. Zum Beispiel probiert Woody Allen bei seinen Filmen verschiedene Genres aus: Komik, Beziehungsdrama, etc.  Er sagt selbst, dass er nicht weiß, welche Art von Film als nächstes “kommt”. Da in seinen Filmen auch viele autobiografische Elemente vorhanden sind, ergibt sich bei ihm der Film eigentlich immer wie von selbst, wobei er auch die Nichtsteuerbarkeit auf dem Weg vom Drehbuch zum fertigen Film betont. Bei meiner Arbeit ist dies ähnlich.

Die Art wie ich meine Ornamente entwickle ist so, dass ich jeden Tag in der Früh aufstehe und einen leeren Kopf brauche, so wie ein unbeschriebenes Blatt. Alles soll so gut wie möglich ordentlich und klar sein. Es ist auch viel durch ein Ritual gesteuert, d.h. ich kann bestimmte Tätigkeiten nur zu bestimmten Tageszeiten machen und auch die Abläufe müssen “sich ergeben”. Ich springe von Tätigkeit zu Tätigkeit. Gestern zum Beispiel hatte ich eine grobe Idee, was ich an dem Tag machen wollte, und habe dann mit der Arbeit begonnen, zu der ich als erstes den größten Drang hatte. Aber, wenn Ermüdung auftritt, dann wechsele ich zur nächsten Aufgabe – ohne die Erste fertig zu stellen und arbeite den ganzen Tag so kreuz und quer an zirka 4-5 verschiedenen Aufgaben.

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